Erst mit dem Schiebehamen per Hand - dann mit der Baumkurre vom Kutter

Die Geschichte der Krabbenfischerei in Büsum

Bereits für das Jahr 1624 sind die ersten Krabbenfänge an der Westküste nachgewiesen. Damals reichte für den Eigenbedarf allerdings der Krabbenfang mit Netzen, den sogenannten Schiebehamen, per Hand aus. Das Fanggerät bestand aus einem Schiebenetz, das an einem Holzrahmen mit Stiel befestigt war. Mit Hilfe des Stiels konnte der Rahmen durch das flache Wattenmeer geschoben werden. Die dadurch aufgescheuchten Krabben landeten zunächst im Netz und später in den Kochtöpfen der ärmeren Bevölkerungsschicht. Krabben galten zu dieser Zeit als “Arme-Leute-Essen” und wurden auch als Viehfutter und Düngermittel verwendet.

Erst Ende des 19. Jahrhunderts begann in Büsum der erwerbsmäßige Fang der Nordseegarnelen. Die ersten Kutter wurden 1886 eingesetzt.  Über die Zeit lösten holländische Grundschleppnetzte, bekannt als “Baumkurren”, die Schiebehamen ab. Die beutelartigen Grundschleppnetze wurden links und rechts vom Kutter über den Meeresboden gezogen. Die Fangmenge konnte dadurch fast verdoppelt werden.

Mit der Motorisierung der Boote und dem Ausbau der Verkehrsanbindung der Häfen weitete sich die Verbreitung der Krabbe als Nahrungsmittel aus. Die Büsumer Krabbe war als kulinarische Spezialität in aller Munde. 1911 wurde deshalb eine Genossenschaft zur Vermarktung der Krabben gegründet, die sieben Jahre später in der Fischereigesellschaft aufging.  In den 1950er Jahren entwickelte sich dank des technischen Fortschritts eine neue, leistungsstärkere Fangflotte. In der Blütezeit der Krabbenfischerei waren 136 Kutter in Büsum registriert. Zudem bestand die Möglichkeit, die leicht verderblichen Nordseegarnelen zu kühlen und in küstenferne Regionen zu transportieren. Das ehemalige “Armeleute-Essen” wurde zum roten Gold der Nordsee.

 

Moderne Stahlkutter

Krabbenkutter

Die Ertragsmenge und die Zahl der Kutter nimmt stetig ab, 2016 gab es nur noch 14 in Büsum registrierte Kutter. Viele Krabbenkutter stammen mittlerweile aus den Niederlanden, deren Unternehmen die größten Abnehmer der Büsumer Krabbe darstellen. Die viele Fischereibetriebe müssen sich mit modernen Stahlkuttern ausstatten, um wirtschaftlich zu überleben und außerhalb der Watten zu fischen.

Bis in die 1960er Jahre hinein wurden die Krabben von Hand gepult in den Dithmarscher Haushalten gepult. Mittlerweile gibt es noch vereinzelt kleinere Unternehmen, die die Krabben in der Region verarbeiten, dazu gehört Urthel aus Friedrichskoog.

Museumshafen

Möchten Sie einmal einen traditionellen Krabbenkutter bestaunen? Dann besuchen Sie den Museumshafen direkt in Büsum. Die Geschichte der Fischerei kann im Hafengebiet und im “Museum am Meer” erlebt werden. Entlang des Fischkais landen Passagierschiffe und die Krabbenkutter an. Wenn Sie anschließend Hunger auf fangfrische Krabben haben, dann können Sie das rote Gold der Nordsee in den Geschäften im Umfeld erwerben.